Dubai lässt jedes Jahr Tausende von Franzosen träumen. Das Versprechen? Null Einkommensteuer, ein modernes Lebensumfeld und eine strategische Lage zwischen Europa und Asien. Doch die steuerliche Realität Dubais ist differenzierter als ein einfaches „0 % Steuern".
In diesem Leitfaden entschlüsseln wir alles, was ein Franzose über Steuern in Dubai wissen muss: Besteuerung natürlicher Personen, Körperschaftsteuer, Mehrwertsteuer, Freizonen, Doppelbesteuerungsabkommen Frankreich-VAE und zu vermeidende Fallstricke. Wenn Sie eine Auswanderung in die Emirate in Betracht ziehen, sagt Ihnen dieser Artikel die Wahrheit über die emiratische Besteuerung.
1. Einkommensteuer: Die berühmten 0 %
Das ist Dubais Hauptargument: Die Vereinigten Arabischen Emirate erheben keinerlei Einkommensteuer auf natürliche Personen. Das bedeutet:
- Gehälter: 0 % Steuer
- Dividenden: 0 % Steuer
- Kapitalgewinne: 0 % Steuer (Aktien, Krypto, Immobilien…)
- Mieteinnahmen: 0 % Steuer
- Zinsen und Lizenzgebühren: 0 % Steuer
In den VAE gibt es schlichtweg keine Einkommensteuererklärung. Keine Stufen, keine Tarife, kein jährliches Formular. Ihre persönlichen Einkünfte sind vollständig netto.
Die wesentliche Bedingung: Der steuerliche Wohnsitz
Um von dieser Besteuerung zu profitieren, müssen Sie steuerlich in den VAE ansässig sein. Dies erfordert:
- Ein gültiges Aufenthaltsvisum (Arbeit, Investor, Freiberufler oder Golden Visa)
- Den Nachweis einer regelmäßigen physischen Anwesenheit in den VAE (die inoffizielle Regel ist mindestens 183 Tage/Jahr)
- Nicht mehr steuerlich in Frankreich ansässig sein — das ist der entscheidende Punkt. Die französische Finanzbehörde prüft, ob Ihr Haushalt, Ihre Aktivitäten und wirtschaftlichen Interessen tatsächlich verlagert wurden
2. Körperschaftsteuer: Die Wende von 2023
Seit Juni 2023 haben die VAE zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Körperschaftsteuer (Corporate Tax) eingeführt:
- 0 % auf die ersten 375.000 AED (~95.000 €) Gewinn
- 9 % über 375.000 AED
Das ist eine bedeutende Änderung, aber der Satz bleibt sehr wettbewerbsfähig: 9 % gegenüber 25 % in Frankreich.
Die Körperschaftsteuer in Dubai beträgt 9 % — einer der niedrigsten Sätze weltweit. Und die ersten 95.000 € Gewinn sind vollständig befreit.
Free Zones: Vollständige Befreiung
Freizonen (Free Zones) sind Dubais großer Trumpf. In Free Zones registrierte Unternehmen profitieren von:
- 0 % Körperschaftsteuer auf „qualifizierte Einkünfte" — d.h. Einnahmen aus Geschäften mit Kunden außerhalb der VAE oder mit anderen Free-Zone-Unternehmen
- 100 % ausländisches Eigentum — kein lokaler Partner erforderlich
- Vollständige Gewinnrückführung
- Keine Zölle auf Importe/Exporte
Die wichtigsten Free Zones: DMCC (die beliebteste), DIFC (Finanzen), JAFZA (Industrie), Dubai Internet City (Technologie), Dubai Media City (Medien).
Achtung: „Nicht qualifizierte" Einkünfte
Wenn Ihr Free-Zone-Unternehmen Einnahmen mit Kunden im VAE-Festland (Mainland) erzielt, unterliegen diese Einnahmen der 9 % Körperschaftsteuer. Die Unterscheidung qualifiziert/nicht qualifiziert ist entscheidend für Ihre Strukturierung.
3. MwSt. von 5 %
Die VAE haben 2018 die MwSt. mit einem einheitlichen Satz von 5 % eingeführt — einer der niedrigsten weltweit (23 % in Frankreich, 20 % in Großbritannien):
- 5 % auf die meisten Waren und Dienstleistungen
- 0 % auf bestimmte Produkte (Exporte, internationaler Transport, Edelmetalle, Bildung, Gesundheit)
- Befreit: Wohnimmobilien, bestimmte Finanzdienstleistungen
Die MwSt.-Registrierung ist obligatorisch, wenn Ihr Umsatz 375.000 AED (~95.000 €) pro Jahr übersteigt.
4. Doppelbesteuerungsabkommen Frankreich-VAE
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Frankreich und den VAE (unterzeichnet 1989) ist für französische Expatriates von wesentlicher Bedeutung. Es definiert die Besteuerungsregeln zur Vermeidung der Doppelbesteuerung:
- Arbeitseinkommen: besteuert dort, wo die Arbeit ausgeübt wird (also 0 %, wenn Sie in Dubai arbeiten)
- Dividenden: Quellensteuer auf 0 % in den VAE begrenzt
- Zinsen: 0 % Quellensteuer in den VAE
- Immobilieneinkünfte: besteuert im Land der Immobilie (französische Immobilieneinkünfte bleiben in Frankreich besteuert)
- Kapitalgewinne aus Wertpapieren: besteuert im Wohnsitzland (0 % in den VAE)
- Französische Beamtenpensionen: bleiben in Frankreich besteuert
Das Abkommen Frankreich-VAE ist sehr vorteilhaft: Nahezu alle Einkünfte eines in Dubai lebenden Franzosen entgehen der französischen Besteuerung, vorausgesetzt der steuerliche Wohnsitz wurde tatsächlich verlegt.
5. Die Falle des französischen Steuerwohnsitzes
Das ist DAS kritische Thema. Viele Franzosen ziehen nach Dubai und glauben, automatisch vom französischen Fiskus befreit zu sein. Das ist falsch.
Kriterien der französischen Finanzbehörde (Artikel 4 B CGI)
Sie bleiben französischer Steuerresident, wenn eines dieser Kriterien erfüllt ist:
- Haushalt: Ihr Ehepartner und/oder Ihre Kinder leben in Frankreich
- Hauptaufenthalt: Sie verbringen mehr als 183 Tage in Frankreich
- Berufliche Tätigkeit: Ihre Haupttätigkeit wird in Frankreich ausgeübt
- Mittelpunkt der wirtschaftlichen Interessen: Ihre Hauptinvestitionen, Ihr Geschäftssitz oder Ihr Vermögen befinden sich in Frankreich
Ein einziges dieser Kriterien genügt, damit die französische Finanzbehörde Sie als steuerlich ansässig betrachtet — selbst wenn Sie ein Aufenthaltsvisum für Dubai haben.
So sichern Sie Ihren Wegzug ab
- Verlegen Sie Ihren Familienhaushalt in die VAE
- Verbringen Sie weniger als 183 Tage in Frankreich (bewahren Sie Nachweise auf: Flugtickets, Kontoauszüge)
- Üben Sie Ihre Tätigkeit von Dubai aus aus, nicht per Fernarbeit ausschließlich für französische Kunden
- Verlegen Sie Ihre Hauptbankkonten und Investitionen in die VAE
- Reichen Sie Ihre Wegzugserklärung bei der französischen Finanzbehörde ein (2042-NR)
6. Unternehmensgründung in Dubai
Die Unternehmensgründung in Dubai ist schnell (4 Tage im Durchschnitt) und relativ unkompliziert:
Free Zone vs. Mainland
- Free Zone: 100 % ausländisches Eigentum, 0 % KSt auf qualifizierte Einkünfte, aber Kunden auf den internationalen Markt und Free Zones beschränkt. Ab 5.000 €/Jahr (Lizenz + Visum)
- Mainland: Zugang zum lokalen emiratischen Markt, 9 % KSt, Zusammenarbeit mit der Regierung möglich. Seit 2020 ist 100 % ausländisches Eigentum in den meisten Branchen möglich
Gründungskosten
- Geschäftslizenz: 1.500 bis 15.000 €/Jahr je nach Free Zone und Tätigkeitsart
- Aufenthaltsvisum: inklusive oder ~500 € zusätzlich
- Virtuelles Büro: 500 bis 2.000 €/Jahr (für viele Freiberufler ausreichend)
- Buchhaltung: 1.000 bis 3.000 €/Jahr
Die Gründung eines Free-Zone-Unternehmens in Dubai kostet im ersten Jahr zwischen 5.000 und 15.000 € (Lizenz + Visum + Büro). Es ist eine Investition, aber die Steuerersparnis kann sich innerhalb weniger Monate amortisieren.
7. Die Kehrseite: Lebenshaltungskosten
Dubai hat keine Steuern, aber die Lebenshaltungskosten sind hoch. Dieser Faktor muss in Ihre Berechnung einbezogen werden:
- Miete: 1.800 €/Monat in der Stadt, 1.200 € am Stadtrand (Studio/1 Zimmer)
- Krankenversicherung: 200 €/Monat (obligatorisch, keine öffentliche Gesundheitsversorgung)
- Internationale Schule: ~15.000 €/Jahr pro Kind
- Monatliches Gesamtbudget: 2.200 €/Monat für eine Einzelperson, 3.500 € für ein Paar
Im Vergleich zu Frankreich gleicht die Steuerfreiheit die höheren Lebenshaltungskosten aus — aber nur ab einem bestimmten Einkommensniveau. Für einen Freiberufler mit 30.000 €/Jahr wird der Steuervorteil durch die Lebenshaltungskosten aufgezehrt. Für einen Unternehmer ab 80.000 €+ ist die Nettoersparnis erheblich.
8. Wegzugsteuer und Umzug nach Dubai
Da Dubai außerhalb der EU/des EWR liegt, sind die Regeln der Wegzugsteuer strenger als bei einem Umzug nach Portugal oder Spanien:
- Der Zahlungsaufschub erfolgt nicht automatisch — er muss beantragt werden
- Sie müssen einen Steuervertreter in Frankreich benennen
- Zahlungsgarantien bereitstellen (Bankbürgschaft)
- Die Entlastung erfolgt erst nach 5 Jahren (gegenüber 2 Jahren für die EU)
Für ein vollständiges Verständnis dieses Mechanismus lesen Sie unseren kompletten Leitfaden zur Wegzugsteuer.
9. Für wen ist Dubai wirklich interessant?
Gewinner-Profile
- Unternehmer und Freiberufler mit hohem Einkommen (80.000 €+/Jahr): Die Steuerersparnis ist enorm
- Trader und Investoren: 0 % auf Kapitalgewinne, einschließlich Krypto
- Internationale Berater: Rechnungsstellung außerhalb der VAE aus einer Free Zone = 0 % KSt
- Internationaler E-Commerce: vereinfachte Logistik, Drehkreuz zwischen Europa und Asien
Profile zum Nachdenken
- Geringverdiener: Die Lebenshaltungskosten heben den Steuervorteil auf
- Rentner: Keine Sozialversicherung, teure Krankenversicherung, extreme Sommerhitze
- Familien: Teure internationale Schulen, kein französischsprachiges öffentliches System
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FAQ
Gibt es wirklich 0 % Steuern in Dubai?
Ja, für natürliche Personen: keine Einkommensteuer, keine Dividendensteuer, keine Kapitalgewinnsteuer. Unternehmen zahlen jedoch 9 % KSt (außer in Free Zones auf qualifizierte Einkünfte), und es gibt 5 % MwSt. Es ist nicht „null Steuern" im weiteren Sinne, aber für Privatpersonen kommt es dem nahe.
Was kostet die Gründung eines Unternehmens in Dubai?
In einer Free Zone rechnen Sie mit 5.000 bis 15.000 € im ersten Jahr (Lizenz + Visum + virtuelles Büro). Die Mainland-Kosten sind ähnlich, aber mit Zugang zum lokalen Markt. Die Gründung dauert etwa 4 Tage.
Kann Frankreich mich noch besteuern, wenn ich in Dubai lebe?
Ja, wenn Sie Ihren Haushalt, Ihre Haupttätigkeit oder Ihren Mittelpunkt der wirtschaftlichen Interessen in Frankreich behalten. Ein Aufenthaltsvisum für Dubai allein reicht nicht aus. Es bedarf einer echten und vollständigen Verlagerung Ihres wirtschaftlichen und persönlichen Lebens.
Welche Free Zone sollte ich in Dubai wählen?
DMCC ist die beliebteste (Rohstoffe, Handel, Beratung). Dubai Internet City/Media City für Technologie und Medien. DIFC für Finanzen. JAFZA für Import-Export. Die Wahl hängt von Ihrer Tätigkeit und Ihrem Budget ab.
Lohnt sich Dubai für einen Freiberufler mit 40.000 € Jahreseinkommen?
Nicht unbedingt. Bei Lebenshaltungskosten von ~2.200 €/Monat kann die Steuerersparnis durch höhere Ausgaben aufgezehrt werden. Dubai wird erst ab 70.000-80.000 € Jahreseinkommen wirklich lohnenswert. Darunter bieten Destinationen wie Rumänien oder Portugal ein besseres Kosten-Steuer-Verhältnis.